Reisetag 5

Besuch in Vrindavan – Tag 5

Wir zu Besuch in Vrindavan

Aufwachen in einem sauberen Ashram ist in Indien wirklich das Größte.

Damit wir pünktlich zum Morgenappell in der Schule kommen mussten wir uns beeilen. Pünktlich wie alle Inder stand auch schon die Fahrrad-Rikscha vor der Tür, die wir beim Wachmann den Abend zuvor geordert hatten. Eindringlich beschwor er den Fahrer uns nicht zu bescheißen, da wir Gäste der Schule waren. Food for Life (der Träger der Schule) kümmert sich wirklich rührend um seine Sponsoren.

Wir kamen genau richtig zum Appell. Ca. 500 Kinder standen in Reih und Glied vor einer Bühne und bemalten sich gegenseitig die Stirn mit dem Kriegersymbol. Das Kriegersymbol verleiht dem Träger Kraft und Stärke. Als sie damit fertig waren schmetterten sie aus voller Kehle die indische Nationalhymne und wanderten in die Klassenräume. Aber nicht in Trauben- oder Wolkenform wie man es in Deutschland gewohnt ist. Nein, jede Kinderschlange ging sauber und geordnet nacheinander in die Klasse. Ohne Geschrei und Gerenne.

Was für eine Disziplin. Da war ich echt erstaunt.

Während des Unterrichts hatten wir Zeit um uns Vrindavan näher anzuschauen. Mit unserem Begleiter Radha Madhava heuerten wir eine Motorrikscha für 400 INR (Rupien) und lernten die wichtigsten Tempel kennen.

1. Ziel auf der Tour war der Jagadguru Kripalu Parishat Prem Mandir

Ein Tempel aus weißem Marmor, der in der Sonne glänzt. Wer hier seine Sonnenbrille vergessen hat, kann gleich wieder umdrehen. Da man im Tempel grundsätzlich barfuß unterwegs ist, hatten wir beim Schuhe ausziehen und abgeben Zeit, um uns die Gegend anzusehen.

Wer schon immer ein Filmstar sein wollte kommt in Indien auf seine Kosten.

Eine Gruppe von Studenten fotografierte uns heimlich. Auf die Aufforderung sich mit uns ablichten zu lassen brach der Damm, wir wurden rumgereicht wie Brad und Angelina. Jeder wollte mit uns auf das Foto, jeder uns anfassen. Zurückhaltung ist nicht die Art der Inder, wenn man es zulässt. Es gilt als schick einen Europäer die Hand zu geben, auch als Frau.
Im Inneren des Tempels angekommen herrscht ein sehr angenehmes Klima.

Wichtig zu wissen: Im Tempel kann der „Altar“ meistens umgangen werden. Es ist ein Zeichen des Respektes eine Ehrenrunde (links herum) zu drehen.

2. Station war der Madan Mohan Temple.

Ein architektonisch sehr schönes Gebäude, wenn auch sehr zerfallen.

Vorsicht bei der Zufahrt und dem Gang zum Bauwerk, hier herrschen die Affen.

Schuhe werden auf der Straße ausgezogen und sollten von jemand bewacht werden. Sonnenbrillen gehören in die Hosentasche oder in den Rucksack. In unserem Fall fand sich jemand am Tempeleingang der für 5 Rupie hauptberuflich den Wächter spielte. Ein kurzer Rundgang um den Tempel genügt um sich ein Bild vom Bauwerk zu machen.

3. Kesi Ghat

Und schon ging es weiter zum Kesi Ghat. Diese Badestellen der Maharadschas sind legendär. Und da Vrindavan an einem Fluss (Yamuna) liegt finden sich auch Badestellen.

Opfergabe am Kesi Ghat

Die berühmtesten Ghats gibt es in Varanasi, am heiligen Ganges, aber das ist eine der nächsten Stationen. Hier will ich nicht vorgreifen.

Während wir am Ghat entlang spazierten sahen wir wie ein Mann Milch in den Fluss schüttete. Radha Madhava erklärte uns das Milch (Krishna war übrigens Kuhhirt) gerne den Göttern geopfert würde und dass im Fluss die Göttin Yamuna wohne.

Nach dieser Tour kehrten wir in die Schule zurück. Zeit zum Mittagessen.
Natürlich aßen wir in der Schule mit den Kindern.

Inmitten von kleinen Indern wurden wir neugierig beäugt wie wir mit den Händen versuchten das Reisgericht in den Mund zu schieben. Mein Sitznachbar ein kleiner 5jähriger korrigierte meine Handhaltung und nahm mich in Beschlag.

Schulessen

Danach schlenderten wir durch die Schule und sahen uns den Unterricht an.
Lesen, rechnen, schreiben, tanzen und handarbeiten stand auf dem Programm.

Schule macht selbst bei zusehen müde und so gingen wir in den wohlverdienten Mittagsschlaf um am Nachmittag bei der Essenausgabe der Slumkids zu helfen. Kinder die aus verschiedenen Gründen nicht das Privileg hatten zur Schule zu gehen.
Der Umgang war hier wesentlich rauher, aber ebenso herzlich.

Radha Madhava zeigte uns den Neubau des neuen Waisenhauses unweit der Schule der gerade entsteht. Hier wird noch Geld gebraucht um alles fertig zu stellen.
Rohbau waisenhaus Vrindavan

Sehr empfehlenswert ist die Pizzeria welche Food for Life mitten in Vrindavan gebaut hat. Da der Gründer und Geschäftsführer Italiener ist, hatte er eine sehr enge Vorstellung über Pizza. Und siehe da, original Steinofen-Pizza „Made in India“. Die es auch als Lieferdienst gibt, wenn man abends nicht in der freien Natur von den Moskitos zerstochen werden will.